Donauwörth Polizeiangriff: Nächster Prozesstermin 6. Mai in Augsburg

Soliaufruf 30.4.2019 [Call in English]

Am 14. März 2018 fand gegen die gambische Community im “Transitzentrum” Donauwörth eine brutale Polizeirazzia statt. Nun treibt die bayerische Strafjustiz die Kriminalisierung der Opfer und die Legitimierung des polizeilichen Handelns weiter voran. Sam D., Geflüchteter aus Gambia, wird am 6. Mai 2019, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wegen Landfriedensbruch vor dem Amtsgericht Augsburg anfechten.

Bereits am 7. November 2018, als zwei Gambier ihre Strafbefehle wegen Landfriedenbruchs anfochten, musste das Gericht anerkennen, dass es entgegen den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft und Polizei keinen gewalttätigen Widerstand der Anwohner gegen den Abschiebeversuch in der Nacht vom 14. März 2018 gab. Die Identifizierung von “Tätern” erwies sich vor Gericht als unzuverlässig und tendenziös. Sie basierte auf visuellen Eindrücken von ein oder zwei Mitarbeiter*innen während der nächtlichen Ereignisse, die sich über mehrere Stunden an verschiedenen Orten entwickelten, als Bewohner*innen aufgrund eines Feueralarms aus ihren Zimmern kamen. Die Zeugen konnten den Angeklagten keine konkrete Handlungen oder Äußerungen zuordnen. Dennoch entschied das Gericht, ihre Strafen aufrechtzuerhalten. Die beiden Angeklagten legten selbstverständlich gegen diese Entscheidung Rechtsmittel ein.

Die Beweislage gegen Sam D. im Prozess am 6. Mai ist spekulativ. Wir gehen davon aus, dass das Amtsgericht Augsburg weiterhin versuchen wird, seine Auffassung von “Gerechtigkeit” in einem kurzem Prozess gegen Personen, die es “Gäste” nennt, durchzusetzen. Das Gericht hat bislang kein großes Interesse an einem fairen und rechtsstaatlichen Verfahren gezeigt.Grund- und Menschenrechte, wie das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit von afrikanischen Geflüchteten werden vom Gericht nicht geachtet.

Nach zahlreichen Polizeieinsätzen 2018 in bayerischen und baden-württembergischen Erstaufnahmezentren zeigt sich auch vor den Gerichten eine politische Tendenz der Prozesse. Die Polizeieinsätze in den Flüchtlingslagern in Ellwangen, Stephansposching, Donauwörth, Donaueschingen und anderen Orten verfolgten das Ziel einer massiven Einschüchterung und Verunsicherung der Bewohner*innen. Insbesondere sollen afrikanische Asylsuchende als “Kriminelle” vorgeführt werden um Abschiebungen von Asylsuchenden “ohne Bleibeperspektive” besser legitimieren zu können.

Nun soll die Kriminalisierung auch auf Unterstützer*innen und die Zivilgesellschaft ausgedehnt werden, mit dem bereits im Bundeskabinett beschlossenen “Geordnete-Rückkehr-Gesetz” ist auch eine Masseninhaftierungs- und Verarmungsprogramm für “unerwünschte” Geflüchtete geplant.

Schluss mit der politisch motivierten Kriminalisierung von Geflüchteten in Bayern und anderen Teilen Deutschlands! Alle Beschuldigten und Verurteilten sind im Fall Donauwörth und in anderen Fällen im Zusammenhang mit erfolgten Polizeieinsätze freizusprechen.

Wir rufen Aktivist*innen und Freunde auf, ihre Solidarität mit Sam D. zu zeigen und das Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht Augsburg am 6. Mai um 13:30 Uhr zu beobachten. Eine Kundgebung vor dem Gericht beginnt um 12 Uhr.

Adresse: Amtsgericht Augsburg, Gögginger Str. 101, 86199 Augsburg

Kontakt für mehr Information:
Tel. +49 15214069014
David Jassey, Gambische Community in Donauwörth (Englisch, etwas Deutsch)
Email: david.donauwoerth@gmail.com

Spenden für die Betroffene des Polizeiangriffs in Donauwörth, einschließlich Anwaltskosten:
Bayerischer Flüchtlingsrat
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE89 7002 0500 0008 8326 02
BIC: BFSWDE33MUE (München)
Verwendungszweck “Donauwoerth”

Links:
Jassey: Wie Donauwörth ein furchterregender Ort wurde.
Aufruf für den Prozesstermin am 7.11. 2018: http://cultureofdeportation.org/2018/10/25/donauwoerth-aufruf/
Bericht über den Prozesstermin am 7.11.2018: http://cultureofdeportation.org/2018/11/08/urteil-des-amtsgerichts-augsburg/
Korvensyrjä: Hoffnung statt Handschellen.
Korvensyrjä: Polizeigewalt gegen Geflüchtete rechtens?
Interview mit David Jassey